Pflanze

Film bringt das exotische Allgäu näher

 

Der Kontakt zu den Menschen hinter den Filmen ist ein Markenzeichen des Naturfilmfestivals Green Screen.

EZ 07.09. 2012

Auch der Regisseur und Autor Matthias Siegle erklärte seinem Publikum nach der Vorstellung Hintergründe zu seinem Film „Mit Fell und Horn am Fellhorn“. Die Grundschüler waren beeindruckt, dass der Filmemacher selbst vor ihnen stand. Jens Stender (links) moderierte die Veranstaltung.

Bei der ersten Green-Screen-Vorstellung im Ratssaal hatte der Regisseur nicht mit 80 Grundschülern gerechnet - Eckernförde
Dinosaurier, Haie, Tiger – Kinder kennen sich in der Tierwelt gut aus. Doch mit den weniger exotischen Arten sind sie oft nicht so vertraut. Da kommt das Naturfilmfestival Green Screen gerade recht: Zum Festivalstart gestern um 10 Uhr gingen rund 80 Grundschüler aus der Stadt im voll besetzten Ratssaal auf eine Reise ins Allgäu. Mit dem Film „Mit Fell und Horn am Fellhorn – Zwei Jungrinder und ihr Sommer“ begaben sie sich in eine andere Welt.
Die Kinder lernten, dass die Rinder in den Bergen im Winter zwar auch im Stall stehen, im Frühjahr jedoch einen beschwerlichen Weg auf die Alpe gehen. So heißen die Bergweiden im Allgäu – und die Kinder erlebten mit, wie zwei junge Rinderdamen zum ersten Mal auf so eine Weide auf dem Berg Fellhorn getrieben werden. Die Grundschüler hatten sichtlich Spaß an den Entdeckungen, die die Rinder den Sommer über mit anderen Tieren und Pflanzen machten. Ein lautes „Iiihh!“ konnten sie sich nicht verkneifen, als ein großer Kuhfladen auf die Wiese klatschte. Auch dem Höhepunkt des Bergsommers wohnten die Kinder bei: Beim Viehscheid wurden hunderte Rinder bunt geschmückt wieder ins Tal getrieben.
Dass die Kinder nach dem Abspann den Menschen vor sich hatten, der diesen Film gemacht hat, konnten sie kaum glauben. Der Regisseur und Autor Matthias Siegle (30) musste einem kleinen Mädchen gleich erklären, dass er es war, der mit der Kamera oben auf dem Fellhorn die beiden jungen Rinder gefilmt hat. Alles alleine habe er jedoch nicht gemacht: Auch sein Kompagnon Christopher Lorenz sei als Kameramann unterwegs gewesen. Insgesamt haben zehn Mitarbeiter geholfen, den Film zu produzieren. Alles Studenten der Filmhochschule Baden-Württemberg in Ludwigsburg, denn bei dem Werk handelt es sich um die Abschlussarbeit von Matthias Siegle.
Obwohl es schon sein dritter Film ist, nimmt er zum ersten Mal am Festival teil. Dass er es bei der ersten Vorstellung gleich mit so vielen Grundschülern zu tun bekommen würde, hatte Siegle nicht erwartet. Trotzdem habe es ihm gefallen. Vor allem, als er gesehen habe, dass die Kinder viel Spaß an seinem Film hatten.
Nun nutzt der Jungfilmer das Festival, um Kontakte zu knüpfen. Um sein Werk bei einem Fernsehsender unterzubringen, könne es sehr helfen, dass er ins Festivalprogramm aufgenommen wurde. „Den meisten Fernsehredakteuren ist Green Screen ein Begriff“, sagte Matthias Siegle.
Die Schüler werden den Film und die Flut an Informationen indessen im Unterricht an ihren Grundschulen aufarbeiten. Das Allgäu hat für sie nun etwas an Exotik verloren.
Tilmann Post